{"id":153,"date":"2016-07-14T21:42:51","date_gmt":"2016-07-14T20:42:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ifaplan-institut.de\/?p=153"},"modified":"2023-04-12T16:32:35","modified_gmt":"2023-04-12T15:32:35","slug":"das-ifaplan-kamingespraech-juli-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/?p=153","title":{"rendered":"Das IFAPLAN-Kamingespr\u00e4ch Juli 2016"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Beim IFAPLAN-Kamingespr\u00e4ch besprechen Vater Dieter und Sohn Marcel aktuelle Themen aus Wirtschaft und Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Monat: <strong>Das Zinsniveau<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dieter:<\/strong> Wie lange wird denn deiner Meinung nach das aktuelle Niedrigst-Zinsumfeld anhalten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marcel:<\/strong> Das ist schwer zu sagen. Vieles spricht daf\u00fcr, dass uns niedrige Zinsen noch eine ganze Weile begleiten werden. Sowohl die aktuelle Politik der Europ\u00e4ischen Zentralbank als auch das eher verhaltene Wachstum der Wirtschaft in Europa wie auch weltweit sprechen derzeit nicht f\u00fcr einen deutlichen Zinsanstieg. Zu steigenden Zinsen kommt es meistens in Verbindung mit einer auf Hochtouren laufenden Wirtschaft. Aktuell ist die Wirtschaft der Eurozone noch deutlich von einem Kapazit\u00e4tsengpass entfernt, der sich in der Folge \u00fcber erh\u00f6hte Kapitalnachfrage und inflation\u00e4re Tendenzen in steigenden Kapitalrenditen niederschlagen k\u00f6nnte. Laut Bundesbankstatistik lag die Kapazit\u00e4tsauslastung der Industrie der Eurozone im dritten Quartal 2015 bei 81,1 Prozent. Das entspricht etwa dem Niveau von 2003, einer wirtschaftlich schwachen Zeit in Deutschland. Der Kapitalbedarf f\u00fcr Erweiterungsinvestitionen ist im Moment also eher ged\u00e4mpft. Deutlich wird dies beispielsweise auch an den aktuellen \u00dcbernahmepl\u00e4nen der Bayer AG f\u00fcr Monsanto. Der Wert dieser \u00dcbernahme \u00fcbersteigt nach aktuellen Konditionen die der Investititonsausgaben von Bayer um ca. das 30-fache. Das Geld, das Bayer hier investiert, verbleibt in der Finanzsph\u00e4re, da es nur von Bayer (und damit mittelbar den Aktion\u00e4ren von Bayer) zu den Aktion\u00e4ren von Monsanto wandert. Es erh\u00f6ht damit nicht die Netto-Kapitalnachfrage. Ohne steigende Nachfrage gibt es auch keinen Grund, warum der Preis des Kapitals, der Zins, steigen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dieter:<\/strong> Im wirtschaftswissenschaftlichen Studium der 60er Jahre war Preisstabilit\u00e4t eines der zentralen Ziele der Wirtschaftspolitik. Gilt das heute unver\u00e4ndert weiter oder hat sich da ein Perspektivwechsel vollzogen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marcel:<\/strong> Grunds\u00e4tzlich ist das sicher weiterhin g\u00fcltig. Unter Preisstabilit\u00e4t versteht die Notenbank allerdings keine gleichbleibenden Preise, sondern stabile Teuerungsraten im Bereich knapp unter 2 Prozent pro Jahr. Nach den Messgr\u00f6\u00dfen der Notenbank entspricht hier die aktuelle Entwicklung nicht ihren Vorstellungen. Tats\u00e4chlich verteuert sich der von der Notenbank beobachtete Warenkorb aktuell kaum. In anderen Bereichen ist hingegen ein rasanter Preisanstieg zu beobachten: Neben Immobilien betrifft dies nahezu alle Gegenst\u00e4nde, die sich als Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde begreifen lassen:&nbsp;beispielsweise alte Porsche, Kunst, Uhren und Schmuck. Hier steigen die Preise mit atemberaubender Geschwindigkeit. Diese sogenannte Verm\u00f6genspreisinflation wird von der herk\u00f6mmlichen HVPI(Harmonisierter Verbraucherpreisindex)-Inflation nicht abgebildet.<br \/>\nEinen gewissen Grad an Inflation zu erzeugen liegt auch im besonderen Interesse der hochverschuldeten Staaten in der EU. Durch steigende Preise steigen tendenziell ihre Steuereinnahmen und zus\u00e4tzlich steigt das nominale Bruttoinlandsprodukt, wodurch der Quotient Staatsverschuldung\/Bruttoinlandsprodukt (bei stabiler Verschuldung) sinkt und somit eine steigende Schuldentragf\u00e4higkeit anzeigt. Es ist also nicht auszuschlie\u00dfen, dass verschuldete Staaten versuchen, Druck auszu\u00fcben, um auf eine inflationsf\u00f6rdernde Politik hinzuwirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dieter:<\/strong> Zum Schluss noch eine ganz aktuelle Frage: Kann man eigentlich derzeit in Gro\u00dfbritannien noch Geld anlegen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marcel:<\/strong> Das h\u00e4ngt unter anderem davon ab, mit welchem Zeithorizont man investieren m\u00f6chte und um welche Anlageklassen es geht. W\u00e4hrend&nbsp; beispielsweise britische Staatsanleihen unter einem potentiell fallenden Pfund leiden w\u00fcrden, da f\u00fcr den Euro-Anleger sowohl der Nominalwert als auch die Zinsen in Euro weniger wert w\u00e4ren, sieht die Situation bei Unternehmen aus UK, die exportlastig sind, deutlich anders aus. Diese profitieren (in Pfund gerechnet) von einer fallenden W\u00e4hrung, da ihre Ums\u00e4tze in anderen W\u00e4hrungen in Pfund umgerechnet mehr wert sind. Dies kann W\u00e4hrungsverluste der Investoren (\u00fcber-)kompensieren. Man hat dies bereits bei manchen Unternehmen gesehen. Die Aktien eines gro\u00dfen britischen Spirituosenkonzerns mit starkem Auslandsgesch\u00e4ft notieren heute (Anfang Juli, in Euro) h\u00f6her als am Tag vor dem Brexit-Referendum. Unter Belastungen leiden in der <span style=\"text-decoration: underline;\">k\u00fcrzeren Frist<\/span> die britischen Finanzkonzerne, da auf diese, je nach Ausgestaltung der Vertr\u00e4ge Gro\u00dfbritanniens mit der EU, sehr hohe Regulierungslasten zukommen.<br \/>\nIn der <span style=\"text-decoration: underline;\">langen Frist<\/span> (10 Jahre+) ist es aber m\u00f6glich, dass Gro\u00dfbritannien nicht der Absturz bevorsteht, der aktuell bef\u00fcrchtet wird. Einerseits gibt es auch von EU-L\u00e4ndern wie Deutschland starke wirtschaftliche Interessen, Handelsmodalit\u00e4ten mit Gro\u00dfbritannien nicht zu belastend zu gestalten. Gro\u00dfbritannien ist aktuell immerhin Deutschlands drittgr\u00f6\u00dfter Exportpartner. Andererseits ist Gro\u00dfbritannien ein marktwirtschaftlich gepr\u00e4gtes Land und marktwirtschaftlich gepr\u00e4gten Gesellschaften f\u00e4llt es nach bisheriger Erfahrung tendenziell leichter, sich mittelfristig an externe Schocks anzupassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dieter:<\/strong> Vielen Dank f\u00fcr deine profunden Erl\u00e4uterungen. Dass uns die Themen ausgehen, bef\u00fcrchte ich wirklich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/?p=153&amp;print=1\" title=\"Drucken\" rel=\"nofollow\"><img decoding=\"async\" class=\"WP-PrintIcon\" src=\"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/wp-content\/plugins\/wp-print\/images\/print.gif\" alt=\"Drucken\" title=\"Drucken\" style=\"border: 0px;\" \/><\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/?p=153&amp;print=1\" title=\"Drucken\" rel=\"nofollow\">Drucken<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim IFAPLAN-Kamingespr\u00e4ch besprechen Vater Dieter und Sohn Marcel aktuelle Themen aus Wirtschaft und Gesellschaft.<\/p>\n<p>In diesem Monat: Das Zinsniveau<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":370,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-153","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-publikationen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=153"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":371,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153\/revisions\/371"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}