{"id":210,"date":"2016-08-24T11:00:11","date_gmt":"2016-08-24T10:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ifaplan-institut.de\/?p=210"},"modified":"2023-04-12T16:35:04","modified_gmt":"2023-04-12T15:35:04","slug":"das-ifaplan-kamingespraech-august-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/?p=210","title":{"rendered":"Das IFAPLAN-Kamingespr\u00e4ch August 2016"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Beim IFAPLAN-Kamingespr\u00e4ch besprechen Vater Dieter und Sohn Marcel aktuelle Themen aus Wirtschaft und Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Monat: <strong>Technischer Fortschritt<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marcel:<\/strong> Aktuell wird viel \u00fcber den sich immer weiter beschleunigenden technischen Fortschritt diskutiert. Ist das aus soziologischer Sicht ein Prozess, der sich nur in eine Richtung bewegt, oder k\u00f6nnte irgendwann auch eine Phase von langsamerer technischer Entwicklung eintreten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dieter:<\/strong> Leben ist immer Entwicklung, unterliegt also einem Wandel. Diese Feststellung gilt nicht nur f\u00fcr das Individuum sondern auch f\u00fcr soziale Gebilde und die Gesamtgesellschaft. Der Wandel selbst, dem Entwicklungen unterliegen, kann sich beschleunigen oder auch verlangsamen. Der Wandel ist nicht f\u00fcr alle Bereiche des gesellschaftlichen Geschehens gleich sondern variiert von Bereich zu Bereich, wie auch von Gruppe zu Gruppe.<br \/>\nAuch der technische Fortschritt, bzw. der technische Wandel verlaufen mit ver\u00e4nderlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten. Diese Variabilit\u00e4t gilt f\u00fcr alle Kulturbereiche und ist keineswegs synchron f\u00fcr die Einzelelemente. Die Soziologen sprechen hier von \u201e kultureller\u201c Eigenzeit. Jeder Bereich verf\u00fcgt insoweit \u00fcber eine kulturelle Eigenzeit und eine eigene Entwicklungsgeschwindigkeit. Und diese Geschwindigkeit variiert im Verlaufe der Zeit.<br \/>\nSo entwickelten sich Teile der Kultur, z.B. die Religion in Europa sehr schnell w\u00e4hrend des Mittelalters. Man denke nur an das geballte Entstehen von kirchlichen Orden, an die Ausgestaltung der Liturgie, an die Formulierung von Kirchenliedern oder auch die Reformation. Im gleichen Zeitraum des Mittelalters erlebten Naturwissenschaft und Technik eine sehr viel weniger dynamische Entwicklung. Deren Entwicklungsgeschwindigkeit stieg erst mit Beginn der \u201eindustriellen Revolutionen\u201c.<br \/>\nAb dem 18. und 19. Jahrhundert erfuhren religi\u00f6se Entwicklungen in Europa eine wesentliche Verlangsamung, die Technik erlebte dagegen einschneidende Fortschritte. Voraussetzung hierf\u00fcr war eine Beschleunigung im Bereich der Naturwissenschaften, die selbst wiederum ihre heftigste Entwicklung zu Beginn des 20.Jahrhunderts erlebten, man denke nur an Einsteins Relativit\u00e4tstheorie oder die Plancksche Quantentheorie.<br \/>\nW\u00e4hrend diese Dynamik sich eher etwas abgebremst zu haben scheint, entwickeln sich die Bereiche der Anwendung dieser physikalischen Erkenntnisse immer noch z\u00fcgig weiter.<br \/>\nDie derzeitige Situation in der Entwicklung der Technik wird durch die Beschleunigung im Bereich Daten- und Informationsverarbeitung dominiert, wobei sich der Fortschritt in immer dichterer Speicherung von Daten und immer schnellerer Verarbeitung und schnellerem Zugriff niederschl\u00e4gt. Dies wiederum hat unmittelbaren Einfluss auf die Automatisierung von Prozessen und der L\u00f6sung von Aufgaben, die zuvor an der Menge der Daten, die es zu ber\u00fccksichtigen gilt, scheiterte.<br \/>\nDie hohe Entwicklungsgeschwindigkeit im technisch-physikalischen Bereich wird irgendwann ihre Grenzen erreichen und\/oder ggf. durch Entwicklungen in anderen gesellschaftlichen Bereichen verz\u00f6gert und ggf. sogar zum Stillstand gebracht werden. Vielleicht erlebt sie aber auch vorher einen weiteren H\u00f6hepunkt durch den \u00dcbergang von der elektronischen zur biologisch-chemischen Datenverarbeitung. Vielleicht gelingt ja auch die Integration von Datenverarbeitung und Speicherung durch Vernetzung von Mensch und Maschine. Das h\u00e4tte \u00fcbrigens den Vorteil, dass nicht allerorten Menschen mit Telefonen in der Hand herumlaufen m\u00fcssten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marcel:<\/strong> Geht von einer weiteren Automatisierung der Produktion tats\u00e4chlich so eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr das Arbeitsleben der Menschen aus und wenn ja, wie k\u00f6nnte man in einer Welt ohne Arbeit Wohlstand verteilen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dieter:<\/strong> Die Frage nach der durch Automation und Roboter freigesetzten Arbeitskraft besch\u00e4ftigt die Menschen seit Jahrzehnten. Ich erinnere mich an eine Diskussionsrunde meiner Studentenzeit in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, wo gefragt wurde, was man mit den freigesetzten Arbeitskr\u00e4ften machen sollte und auf welcher Basis sie ein Einkommen beziehen sollten. Tats\u00e4chlich ist es ja so, dass in weiten Teilen der industriellen Fertigung der Mensch durch Maschinen ersetzt werden kann. Und neueste Entwicklungen zeigen, dass man daran arbeitet, Roboter in der Pflege (beispielsweise von alten Menschen) einzusetzen.<br \/>\nDie Soziologiestudenten waren sich vor 50 Jahren sicher, dass man in einer derartigen Situation neue Wege der Verteilung des Sozialprodukts finden m\u00fcsste, Wege, die sich v\u00f6llig vom \u201earbeitsbezogenen\u201c Einkommen unterscheiden. Dass dieser Gedanke kein sozialistisches Hirngespinst ist, zeigt die heutige Diskussion \u00fcber ein staatliches Grundeinkommen, \u00fcber das beispielsweise in Skandinavien nachgedacht wird und \u00fcber das vor Kurzem in der Schweiz (allerdings negativ) abgestimmt worden ist.<br \/>\nMeine pers\u00f6nliche Meinung ist allerdings, dass ich es f\u00fcr wahrscheinlicher halte, dass Gesellschaften statt \u201ebedingungsloser\u201c Einkommen eine andere L\u00f6sung bevorzugen werden: Die Gesellschaft wird die Verteilung von Einkommen von Kriterien abh\u00e4ngig machen, die sich an der gesellschaftlichen W\u00fcnschbarkeit von Verhaltensweisen orientieren. Was hei\u00dft das? Handlungen, die gesellschaftlich positiv gesehen werden und dem Zusammenhalt dienen, werden belohnt. Disfunktionale Verhaltensmuster werden durch \u201eNicht-belohnen\u201c bestraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marcel:<\/strong> M\u00f6glicherweise findet ja auch eine Anpassung \u00fcber die Arbeitszeit statt. Lass uns doch demn\u00e4chst \u00fcber die Entwicklung und Trends bei Arbeitszeiten sprechen.<\/p>\n<a href=\"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/?p=210&amp;print=1\" title=\"Drucken\" rel=\"nofollow\"><img decoding=\"async\" class=\"WP-PrintIcon\" src=\"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/wp-content\/plugins\/wp-print\/images\/print.gif\" alt=\"Drucken\" title=\"Drucken\" style=\"border: 0px;\" \/><\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/?p=210&amp;print=1\" title=\"Drucken\" rel=\"nofollow\">Drucken<\/a>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim IFAPLAN-Kamingespr\u00e4ch besprechen Vater Dieter und Sohn Marcel aktuelle Themen aus Wirtschaft und Gesellschaft.<\/p>\n<p>In diesem Monat: Technischer Fortschritt<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":370,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-210","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-publikationen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=210"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/210\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":218,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/210\/revisions\/218"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=210"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=210"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifaplan-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}